Workshop
Mensch-Computer-Interaktion in allgegenwärtigen Informationssystemen

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Dieser Workshop wird am Di., 6.März, im Rahmen der ersten fachübergreifenden Konferenz Mensch & Computer 2001 angeboten. Die Konferenz findet vom 5. bis 8. März 2001 in Bad Honnef (Bonn) statt.

Mit der Entwicklung allgegenwärtiger Informationssysteme entstehen Alternativen zu traditionellen Formen der Mensch-Computer-Interaktion, die sich stärker am Menschen und seinen Aktivitäten orientieren. Grundlegend ist in diesem Zusammenhang die Einbettung von Computern als Sekundärartefakt in Gegenständen, Geräten und Umgebungen um diese als Mensch-Informations-Schnittstellen, bzw. für die Mensch-Mensch-Kooperation "im wirklichen Leben" zu erschließen. Ziel dieses Workshops ist, im kleinen Teilnehmerkreis sowohl Mensch-bezogene als auch technologische Fragestellungen zu diesem Thema aufzugreifen.

mc2001-logo
Programm
8:30  Begrüßung
8:35    Mensch-Computer-Interaktion in allgegenwärtigen Informationssystemen
    (Michael Beigl, TecO, Universität Karlsruhe)
8:50 Human-Computer Interaction and The Disappearing Computer
    (Norbert Streitz, GMD-IPSI, Darmstadt)
9:10 Zwei Ressourcenadaptierte Navigationssysteme für Fussgänger
    (Antonio Krüger, Jörg Braus: FR Informatik, Universität des Saarlandes)
9:30 Klicken in der realen Welt
    (Jürgen Bohn, Michael Rohs: Institut für Informationssysteme ETH Zuerich)
9:50 A reference model for situation-aware assistance
    (Thomas Kirste, Frauenhofer IGD Rostock)
10:10 Möglichkeiten der Erforschung von Anforderungen der Benutzer an die Technik der Zukunft
    (Julia Nitschke, Markus van Ballegooy, Marita Enge, Hartmut Wandke: Humboldt-Universität zu Berlin)
10:30 Diskussion
11:00-11:30 Kaffeepause
Organisation und Kontakt Dr.-Ing. Michael Beigl,
Telecooperation Office (Teco),
Universität Karlsruhe
michael@teco.uni-karlsruhe.de

Dr.-Ing. Hans-W. Gellersen,
Telecooperation Office (Teco),
Universität Karlsruhe
hwg@teco.uni-karlsruhe.de

Dr. Dr. Norbert Streitz,
GMD - Forschungszentrum Informationstechnik,
Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI),
norbert.streitz@darmstadt.gmd.de

Themen

Computer sind heute Primärartefakte. Wer mit ihnen interagieren will, muß sich von anderen Dingen ab- und dem Computer zuwenden. Dabei ist zu beachten, dass der Mensch ja eigentlich primär nicht an der Interaktion mit dem Computer selbst interessiert ist, sondern an der Interaktion mit Informationen, bzw. der Kommunikation und Kooperation mit anderen Menschen. Im Zuge der gegenwärtigen Informatisierung aller Lebensbereiche werden dieses Interaktionsmodell und die scharfe Trennung zwischen virtueller Welt und realer Welt daher zunehmend in Frage gestellt. Aktuelle Visionen – Ubiquitous Computing, Calm Computing, The Invisible Computer und Disappearing Computer – sehen Computer nun zunehmend als Sekundärartefakt, eingebettet in Informationsgeräten, Unterhaltungselektronik, Gebrauchsgegenständen, Räumen, Gebäuden und Plätzen.

Als Sekundärartefakt treten Computer in den Hintergrund, und die Mensch-Computer-Interaktion wird verwoben mit der Handhabung der Primärartefakte, in die sie eingebettet sind. Artefakte, die so im Prinzip als Mensch-Computer-Interaktionsobjekte erschlossen werden, können klein (z.B. Computer am Schlüsselbund) oder groß (z.B. interaktive Wände), und mobil (z.B. "Wearable") oder räumlich verankert (z.B. intelligente Möbel) sein. Die Mensch-Computer-Schnittstelle kann minimiert (z.B. in dedizierten Informationsgeräten), wahrnehmungs-transparent (z.B. durch Selbstverständlichkeit und Allgegenwart) oder tatsächlich unsichtbar (z.B. eingebettete Sensorik und Perzeption) werden. Sie kann sich auf einzelne Artefakte beziehen, auf räumlich verteilte Artefaktsysteme oder auf dynamische Artefakt-Aggregationen. Für den Gestaltungsprozess unbewußter und allgegenwärtiger Interaktion wird die teilweise vorherrschende Ansicht hinterfragt, auf der einen Seite Menschen und soziale Systeme auf "Nutzer" und auf der anderen Seite Funktionalität im dynamischen Technologieverbund auf "Anwendungen" zu reduzieren.

Der Workshop soll einen Diskurs fördern, der sowohl mensch-bezogene als auch technologische Fragestellungen zur Mensch-Computer-Interaktion in allgegenwärtigen Informationssystemen aufgreift. Die Leitfragen hierzu sind

Welche Implikationen haben neue Paradigmen und Technologien der Mensch-Computer-Interaktion für den Menschen, und welche Anforderungen haben Menschen an allgegenwärtige Mensch-Computer-Schnittstellen ?

  • Wenn "Schnittstellen" unsichtbar werden: wie kann der Mensch sie verstehen? Was passiert bei Fehlfunktion oder Absturz von Systemen, die gar nicht explizit wahrgenommen werden?

  • Wieviel Kontrolle wollen Menschen an ihre Umwelt abtreten? Ist es überhaupt wünschenswert oder akzeptabel, dass Alltagsgegenstände "intelligent" werden? Haben Menschen Vertrauen in "intelligente" Umgebungen?

  • Kann der Schutz der Privatsphäre überhaupt noch gewährleistet werden wenn Computer und Schnittstellen allgegenwärtig sind? Kann der Fluß persönlicher Information durch allgegenwärtige Netze kontrolliert oder überhaupt noch nachvollzogen werden?

  • Verändern allgegenwärtige Computer das alltägliche Leben und wenn ja, wie? (vgl. gesellschaftliche Wirkung von Mobiltelefon und Internet)

  • Wie erschliessen sich den Menschen Interaktionsmöglichkeiten in öffentlichen Räumen und Umgebungen, wenn Dialoge nicht mehr explizit sondern implizit sind? Gibt es explizite oder implizite Zugriffsrechte? Wie kann die öffentliche und gemeinsame Nutzung von allgegenwärtigen Informationssystemen ermöglicht werden, die Menschen unterstützt ohne auf ihre Mitmenschen störend zu wirken?

  • Wie können Schnittstellen entworfen werden, die nicht monopolisierend sind, d.h. Menschen nicht von ihren eigentlichen Aktivitäten ablenken? Wie können funktionale Gestaltung, Ästhetik und Ausdruck verbunden werden ?

 Welche Implikationen haben neue Paradigmen der Mensch-Computer-Interaktion für die technische Gestaltung von Schnittstellen? Welche Anforderungen stellen sie an die Informationssysteme der Zukunft ?

  • Wie wird Interaktion in bestehende Artefakte integriert, und welche neuen interaktiven Artefakte werden als Bausteine für allgegenwärtige Mensch-Computer-Schnittstellen entstehen?

  • Nach welchen Gesichtspunkten können Mensch-Computer-Schnittstellen räumlich über verschiedene Geräte und Artefakte verteilt werden? Wie ist die Koordination zu gestalten? Was ist, wenn einzelne Geräte zeitweise nicht verfügbar sind, oder neue Geräte dynamisch hinzukommen?

  • Besteht bei der erwarteten Vielfalt von Geräten und interaktiven Artefakten die Möglichkeit einer einheitlichen Schnittstelle für Anwendungen? Auf welcher Abstraktions-Ebene kann der Austausch von Informationen zwischen Anwendung und Mensch-Computer Schnittstelle durchgeführt werden?

  • Welche Implikationen hat die Integration von Sensoren (=> Perzeption) und Aktuatoren (=> Aktion/Reaktion) für die Mensch-Computer-Interaktion? Können Sensoreingaben anderen Eingaben an der Mensch-Computer-Schnittstelle gleichgestellt werden? Wie wird mit Unsicherheit in erkennungsbasierten Schnittstellen umgegangen?

Zielsetzung

Auf dem Weg zu "allgegenwärtigen Informationssystemen" hat es in den vergangenen Jahren enorme Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen auf der Infrastrukturseite gegeben. Auf der Zugangsseite hingegen gibt es vergleichsweise nur wenige aber wichtige Anstrengungen, über traditionelle Formen der Mensch-Computer-Interaktion hinaus zu denken und neue Interaktions- und Zugangsformen zu schaffen, die sich stärker am Menschen und seinen Aktivitäten orientieren. Grundlegend ist in diesem Zusammenhang die Einbettung von Computern als Sekundärartefakt in Gegenständen, Geräten und Umgebungen um diese als Mensch-Informations-Schnittstellen, bzw. für die Mensch-Mensch-Kooperation "im wirklichen Leben" zu erschließen.

Ziel dieses Workshops ist, ergänzend zu Entwicklungen auf internationaler Ebene (wie beispielsweise der europäischen "Disappearing Computer"-Initiative), eine Fokusgruppe zusammenzuführen, die sich im deutschsprachigen Raum mit in alltägliche Aktivität eingebetteten Schnittstellen zwischen Mensch und Informationssystemen auseinandersetzt. Der Workshop soll dabei zum interdisziplinären Austausch von Ideen und ersten Ergebnissen aus laufenden Forschungsarbeiten dienen, sowie zur Diskussion von Herausforderungen und Chancen, und der sich daraus ergebenden Forschungsagenda.

Der Workshop ist als Ganztagesveranstaltung konzipiert. Der Schwerpunkt soll auf gemeinsamer Diskussion liegen. Die Teilnahme wird entsprechend auf einen kleinen Kreis von Forschern, Entwicklern und Anwendern begrenzt, die auf Basis eingereichter Arbeitsberichte oder Positionspapiere eingeladen werden. Das Arbeitsprogramm für den Workshop wird auf Basis der Einreichungen gestaltet. Es wird die Vorstellung einiger ausgewählter Projekte und Positionen, die Diskussion im Plenum und das sich Aufteilen in Untergruppen umfassen.

Teilnehmerkreis Der Workshop will gezielt Forscher, Entwickler und Anwender aus dem interdisziplinären Umfeld von "Mensch & Computer" ansprechen, die entweder aus ihren Forschungsarbeiten zum Thema oder aber durch Artikulierung einer grundlegenden Position zur Diskussion des Themas "Mensch-Computer-Interaktion in allgegenwärtigen Informationssystemen" beitragen wollen.
Einreichung Erweiterter Einreichungsschluß: 19. Februar
Benachrichtigung der Autoren: 23. Februar

Beiträge in einem Umfang von 2-5 Seiten bitte in elektronischer Form (möglichst PDF, Microsoft Word oder HTML) an michael@teco.uni-karlsruhe.de einsenden.

Die für den Workshop angenommenen Beiträge werden auf dieser Webseite und ebenfalls in gedruckter Form veröffentlicht.